Biografien

Hier besteht die Möglichkeit, Kurzbiographien von Personen vorzustellen, die in Baumholder gelebt haben.
Entwürfe unter Angabe des Verfassers können über info@geschichtswerkstatt-baumholder.de eingereicht werden.

Joseph Michael Stahl

Joseph Michael Stahl wurde 1725 als Sohn eines Schulmeisters in Obersteinheim geboren und im Jesuitenkloster in Münster in Westfalen erzogen. Über seine frühe Berufstätigkeit ist wenig bekannt. Er hatte offensichtlich keinen regulären Abschluss, praktizierte aber an verschiedenen Orten als Arzt und Apotheker, u.a. in Merzig und in Kirn. 1766 siedelte Stahl in die Residenzstadt Zweibrücken über und wurde als Physikus zugelassen.

[caption id="attachment_57" align="alignleft" width="300"]Zweibrücker Porzellan Zweibrücker Porzellan[/caption]

[caption id="attachment_58" align="alignnone" width="300"]Zweibrücker Porzellan Zweibrücker Porzellan[/caption]

Stahl wurde zum Günstling des Herzog Christian IV. von Pfalz-Zweibrücken und erkannte dessen Interesse an der Alchimie. Er versprach, den Herzog in diese Kunst einzuführen und deutet an, dass er in seinem alchimistischen Laboratorium in der Lage sei, Gold und Silber herzustellen.

1767 begann er mit dem Aufbau einer Porzellanfabrik in Schloss Gutenbrunn bei Zweibrücken. Die Erden für das Porzellan kamen zuerst aus Ellweiler und Nohfelden, waren aber von schlechter Qualität. Später importierte er sie aus Passau.

Christian IV. stellte Stahl immer wieder Geld für seine Unternehmungen zur Verfügung. Er ernannte ihn zum Hofrat und schenkte ihm den Eschelbacher Hof, ein landwirtschaftliches Gut bei Baumholder, auf dem Stahl dann wohnte. Auch übertrug er ihm die Administration des Königreicher Hofs bei St. Wendel. Hier wollte Stahl eine Produktionsstätte für künstliche Düngemittel einrichten. In Hof im Ostertal richtete er eine Glashütte ein, die er mit der fortschrittlichen Kohlebefeuerung betrieb. 1774 erhielt er den Titel Geheimrat und wurde Hofkammerrat.

Mit dem Tod seines Gönners Christian IV. 1775 verlor Stahl alle Ämter und Zuwendungen, auch den Eschelbacher Hof. Es wurde eine Untersuchung seiner Unternehmungen und Abrechnungen angeordnet und er musste 3533 unterschlagene Gulden sowie hohe Privatschulden zurückzahlen.

1783 siedelte er mit seiner vierten Ehefrau und elf Kindern nach Fürfeld über. Hier verlieren sich seine Spuren, sein weiteres Schicksal und sein Todesjahr sind nicht bekannt.

Stahl war ein Abenteurer und Glücksritter. Als Begründer der pfalz-zweibrücker Fabrik für qualitativ gutes Porzellan bleibt er in Erinnerung. Die nur kurze Produktionszeit von 1767 bis 1775 macht das Zweibrücker Porzellan heute zu einer Seltenheit. Der Eschelbacherhof wird heute noch im Volksmund nach seinem einstigen Besitzer Joseph Michael Stahl „Stahlerhof“ genannt.

Johann Abraham Rausch

Johann Abraham Rausch war in der Zeit von 1660 bis 1714 reformierter Pfarrer in Baumholder.

Lange Zeit war er auch geistlicher Inspektor des Oberamtes Lichtenberg, zu dem Baumholder damals gehörte.

Geboren wurde er 1640, in der Endphase des Dreißigjährigen Krieges. Sein Vater, ebenfalls reformierter Pfarrer, war mit seiner Gemeinde wegen der Kriegshandlungen aus Mimbach geflohen. Seine Eltern fanden in Meisenheim Aufnahme, wo die Witwe des pfalz-zweibrückischen Herzogs Johann II. noch geduldet wurde.

Es waren die schlimmen Notzeiten in dieser Gegend, von denen auch der frühere Baumholderer Pfarrer Friedrich Göhler, der zu der Zeit in Meisenheim amtierte, in seinem Buch „Der Spiegel des Teutschenlandes“ berichtet.

Nach dem frühen Tod des Vaters ging die Mutter nach Zweibrücken an den Hof. Ihr Sohn Johann Abraham blieb in Meisenheim, um weiter die dortige Lateinschule zu besuchen. Seine Mutter erreichte für ihn ein Stipendium an der Landesschule in Zweibrücken, die er auch absolvierte.

Anschließend studierte er in Basel, um die Laufbahn eines Pfarrers einzuschlagen. Nach beendetem Studium trat er 1660 die reformierte Pfarrstelle in Baumholder an, heiratete und lebte mit seiner Familie im Pfarrhaus gegenüber der Evangelischen Kirche. Die Eheleute hatten eine stattliche Kinderzahl und ihre Nachkommen sind in vielen Baumholderer Stammbäumen zu finden.

Ein großer Familienzweig ist in den Vereinigten Staaten entstanden. Die „Roush-Association“ pflegt noch heute den Zusammenhalt und hält regelmäßig Familientreffen ab.

Das Leben von Johann Abraham Rausch verlief unter den Einwirkungen der Kriege, die zwischen Frankreich und dem Deutschen Reich ausgetragen wurden.

Im „Holländischen Krieg“ (1672-78) wurde auch Baumholder in Mitleidenschaft gezogen. Zum Ende des Krieges logierten zwei Kompanien lothringischer Truppen in der Kirche, die davon großen Schaden nahm.

Der französische König erhob Anspruch auf die Oberherrschaft linksrheinischer Gebiete und fasste die im „Reunionskrieg“ (1680-84) eroberten Ländereien zur „Provice de la Sarre“ zusammen. Auch Baumholder war ab 1680 Teil dieser französischen Provinz. Zu dieser Zeit (1684) wurde in Baumholder das Simultaneum eingeführt, d.h. die Katholiken bekamen das Recht, ihren Gottesdienst im Chor der reformierten Kirche zu halten.

Nach dem „Pfälzischen Erbfolgekrieg“ (1688-97) zählte Baumholder zu den verbrannten Ortschaften. Damals gingen auch die alten Kirchenbücher verloren und Johann Abraham Rausch führte ab 1689 neue Verzeichnisse.

Durch Erbfolge fiel das Herzogtum in dieser Zeit an die schwedischen Könige, die jedoch erst nach dem Frieden von Rijswijk (1697) tatsächlich über das Erbe verfügen konnte. Im Jahre 1700 wurde auf schwedische Anordnung auch den Lutheranern das Recht eingeräumt, in der Baumholderer Kirche ihren Gottesdienst zu feiern.

Johann Abraham Rausch stand in diesen schweren Zeiten seiner Gemeinde und auch den Pfarreien des Lichtenberger Amtes vor. Er setzte sich mit den jeweiligen Herren und deren Verfügungen auseinander und teilte seine Kirche mit den Katholiken und Lutheranern.

Aus seinem Leben sind vielerlei Einzelheiten überliefert. Häufig klagte er über den unzumutbaren Zustand des Pfarrhauses und die Baufälligkeit der Kirche.

In den letzten Jahren seines Lebens musste er die Einwirkungen des „Spanischen Erbfolgekrieges“ miterleben. 1714 verstarb er als hochangesehene Persönlichkeit.

Johannes Lichtenberger

Johannes Grümbach, Johannes Grunbach alias Lichtenberger, Johannes Grunenbach von Beymoldern, Claromontanus oder de claro monte – viele Namen für einen Mann, der in der ersten Hälfte des 15. Jh. in Grünbach bei Baumholder geboren wurde und an verschiedenen Fürstenhöfen und am Kaiserhof Friedrichs III. als Astronom und Astrologe wirkte.

Die erste namentliche Erwähnung findet sich in einem Lied über die Kölner Fehde zwischen Friedrich III. und Karl dem Kühnen von Burgund in den 70er Jahren des 15. Jhs.:

„Das hat vor treien jahren offenbar geweißaget einer von Menz für war, Johann Lichtenberger ist er genannt in dem ganzen Reich wohlbekannt.“

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1488 erschien sein Hauptwerk, die Pronosticatio oder auch Praktika genannt. Es handelt sich dabei um astrologische Auslegungen und Weissagungen. Die Schrift ist stark geprägt von der damals herrschenden Türkenangst, der Erwartung eines Endkaisers und der Hoffnung auf das Tausendjährige Reich. Lichtenberger sah die Not und Missstände seiner Zeit. Veränderungen in Kirche und Staat hielt er für unabwendbar und galt damit als Prophet der Reformation. Er prangerte die Lebenssituation der Bauern an, die zu den Bauernkriegen führen sollten. Die Pronosticatio war über lange Zeit sehr populär und wurde in viele Sprachen übersetzt. Die Schrift erlebte mehr als 50 Auflagen, die letzte 1923. Die meisten Ausgaben waren mit vielen Holzschnitten versehen. Eine deutsche Ausgabe erschien 1527 mit einem Vorwort von Martin Luther.

Am Ende seines Lebens fiel Lichtenberger am kaiserlichen Hof in Ungnade und zog sich in die Nähe seiner Heimat zurück. Er nahm eine Pfarrstelle in Brambach (Niederbrombach) an und soll 1503 in Otterstadt bei Speyer gestorben und auch dort begraben sein.

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