Die Familien Schaun, Grimm und Licht aus Baumholder

Meine Vorfahren

Geschichte und Geschichten aus dem Leben

der Familien Schaun, Grimm und Licht aus Baumholder

Unsere Familiengeschichte erzĂ€hle ich so, wie ich zu einem großen Teil aus noch erhaltenen schriftlichen Unterlagen, aus Schilderungen meines Vaters, oder auch von ErzĂ€hlungen alter Nachbarn her kenne.

Der erste in Baumholder ansÀssig gewordene Grimm unserer Familie war der in Kusel geborene Johann Jakob Grimm (1714-1775). Er war der Sohn des dortigen Metzgermeisters Daniel Grimm.

Johann Jakob Grimm, Beruf Metzgermeister, heiratete 1736 Maria Patientia geb. Rausch (1711-1744), die Tochter des Gerichtsschultheißen Johann BartholomĂ€us Rausch (1662-1723) und seiner Frau Anna Katharina geb. Albert (1663-1738).

Es ist nicht festzustellen, wann und durch wen das damalige Haus der Familie in der Hauptstraße Nr. 16 erbaut wurde. In den Jahren 1759/60 war es im Besitz von Johann Jakob Grimm (HĂ€userbuch des Fleckens Baumholder von Gottlieb Wilhelm Spener Nr. 17). Das GrundstĂŒck hatte damals schon die gleiche Form und Abmessung wie heute. Auch der Fußpfad von der Hauptstraße, der Unnerscht Gaß, zum BrĂŒhlpfad, damals der WĂ€chterpfad, bestand schon. Neben dem kleinen Pfad befand sich direkt an der Hauptstraße der gemeindeeigene Badbrunnen auf einem 4 x 4 m großen GrundstĂŒck. Das zweigeschossige Wohnhaus mit Scheune und Stall unter einem Dach stand, wie heute, entlang der Hauptstraße. Beides war jedoch wesentlich kleiner als die heutigen GebĂ€ude. Beinahe die HĂ€lfte des gesamten GrundstĂŒcks diente als Pflanzgarten, der neben dem Fußpfad in einer Breite von etwa vier Meter gegen die Hauptstraße stieß. Die Einfahrt zu dem recht kleinen Hof befand sich an der anderen GrundstĂŒckseite zwischen dem Scheunengiebel und dem NachbargebĂ€ude.

Anfang des 19. Jahrhunderts gehörte das Anwesen fĂŒr kurze Zeit dem Schwiegersohn von Johann Jakob Grimm Johann Friedrich Bier (geb. 1752) und dessen Ehefrau Katharina Elisabeth geb. Grimm (geb. 1765). SpĂ€ter ging es dann auf den Sohn Johann Jakob Grimm (geb. 1759) und dessen Ehefrau Maria Elisabeth geb. Conrad (geb. 1775) ĂŒber. Sie war die Tochter des Kaufmannes, Zensors und Gerichtsschöffen und Johann Wilhelm Conrad (1727-1785) und dessen Ehefrau Maria Elisabeth geb. Jost (geb. 1737). Johann Wilhelm Conrad hatte den Beinamen „Salz-Wilhelm“, da er gegen eine Abgabe an die herzogliche Kasse, die Genehmigung zum Salz-Großhandel hatte.

Das Ehepaar Grimm/Conrad hatte zwei Söhne:

Johann Daniel Grimm (1797-1863), Metzger und Gastwirt, der 1821 in Berschweiler Karoline geb. Albert (1805-1862) heiratete. Dieses Ehepaar hatte acht ĂŒberlebende Söhne und drei Töchter. Die Eheleute Grimm/Albert begrĂŒndeten die weit verzweigten Familien Grimm in Berschweiler. Ihr Sohn Daniel Grimm (geb. 1825), Beruf Ackerer, heiratete 1847 nach Fohren-Linden die Katharina geb. Henn (1826-1887). Sie hatten sieben ĂŒberlebende Söhne und eine Tochter. Das Ehepaar Grimm/Henn war der BegrĂŒnder der Familien Grimm in Fohren-Linden.

Friedrich Christof Grimm (1807-1887), Metzger und Ackerer, war mit Louise geb. Hoffmann (1814-1874) aus Altenglan verheiratet. Dieses Ehepaar ĂŒbernahm als nĂ€chste Generation Haus und Hof in der Hauptstraße Nr.16. Die Ehefrau geb. Hoffmann war sehr vermögend. Sie brachte u.a. Eigentumsanteile an den KalksteinbrĂŒchen von Friedelhausen mit in die Ehe.

Etwa um 1850 ließen die Eheleute Grimm/Hoffmann das AltgebĂ€ude in der Hauptstraße abbrechen und errichteten hier ein Wohn- und ÖkonomiegebĂ€ude auf der ganzen GrundstĂŒcksbreite entlang der Straße. Die Einfahrt zum Hofgering befand sich zwischen dem Wohnhaus und dem daneben stehenden Stall- und ScheunengebĂ€ude. Diese Durchfahrt wurde spĂ€ter, vor 1863, ĂŒberbaut. Dadurch entstanden ĂŒber der Toreinfahrt zwei weitere WohnrĂ€ume. Das Dach des Wohnhauses war damals etwas niedriger als das Scheunendach. Der Großbrand im Jahre 1880 in Baumholder beschĂ€digte den gesamten Dachstuhl. Bei dem Wiederaufbau erhöhte man die Wohnhausmauern um etwa einen Meter, sodass das Dach des GesamtgebĂ€udes nun gleich hoch war. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Brand auch die Decken des Obergeschosses beschĂ€digt hatte. Diese wurden auch erneuert und eine neue Treppe im Treppenhaus eingebaut. Auf jeden Fall wurden im Jahre 1882 sieben ZimmertĂŒren von dem Schreinermeister Karl Lang gefertigt und eingebaut. Der Rechnungsbetrag hierfĂŒr betrug 70,- Mark. Die heute noch erhaltene HaustĂŒr war bei dem Brand durch herabfallende brennende Dachteile nur im unteren Teil beschĂ€digt worden und ist dort entsprechend erneuert worden. Dies erkennt man heute noch an der aus dickem Eichenholz gefertigten TĂŒr.

Das Ehepaar Friedrich Christof und Louise Grimm hatte vier Kinder:

Henriette, sie war nach Kusel mit dem Gerbereibesitzer Emrich verheiratet.

Das Ehepaar Emrich/Grimm lebte mit ihren beiden Töchtern in Kusel in der heutigen Bahnhofstraße – linke Seite – in einem villenartigen komfortablen Haus, welches heute noch gut erhalten ist. Die beiden Töchter hatten noch eine lockere Verbindung zu ihrer Verwandtschaft in Baumholder, die jedoch mit den folgenden Generationen allmĂ€hlich völlig versiegte.

Karoline (geb. 1841), verheiratet mit dem Arzt Dr. Josef Schubmehl.

Die Eheleute Schubmehl/Grimm erbauten in Baumholder das Wohnhaus und die dahinter stehenden landwirtschaftlichen GebĂ€ude an der Kuselerstraße Nr. 6. Frau Schubmehl soll außerordentlich sparsam gewesen sein. Sie legte z. B. immer das frisch gebackene Brot an das nach SĂŒden gelegene Speichergiebelfenster, damit es richtig austrocknet und es sich deshalb nicht so schnell wegschnitt. SpĂ€ter wurde Dr. Schubmehl zum Kreisarzt ernannt. Die Familie musste wegen der Residenzpflicht, in die Kreisstadt St. Wendel umziehen. Sie bauten dort am Schlossplatz ein heute noch gut erhaltenes großes Wohnhaus. Die Schubmehls hatten in St. Wendel das erste Privatauto. Ihre beiden Kinder sind spĂ€ter nach Wiesbaden verzogen.

Luise Elisabeth Caroline (1836-1857)

Die Tochter Luise Elisabeth Caroline hatte den Sohn Karl Grimm (geb. 1855). Ihre Eltern erlaubten der Tochter nicht, den Vater des Kindes, einen jungen Gerichtsbeamten, zu heiraten. Es ist anzunehmen, dass er ihnen nicht vermögend genug war. Das Kind wurde in die damals noch französische Stadt Metz zu einer Amme namens Lerong gebracht. Es wurde vertraglich vereinbart, dass sie gegen eine Vorauszahlung von 6.000 Franken, den Jungen groß zu ziehen habe. Er besuchte die französische Volksschule und erlernte in Metz das BĂ€ckereihandwerk. Nach seiner Verheiratung machte er sich selbststĂ€ndig und betrieb eine eigene BĂ€ckerei. Sein Onkel Friedrich Grimm gab ihm in den Jahren 1880 und 1886 jeweils 3.000 Mark. Dieser Betrag wurde von ihm quittiert und dabei vermerkt, dass er damit sein ihm zustehendes Erbteil erhalten habe. Der „Grimme Karl“ war nach 1871, als Lothringen nach dem Krieg zum Deutschen Reich gehörte, fĂŒr viele junge Baumholderer, die in Metz ihren Wehrdienst ableisteten, eine beliebte und gefragte BĂ€ckerei. Sie bekamen hier die Backwaren zu Sonderpreisen und alles was abends nicht verkauft war, erhielten sie umsonst. Über eventuelle Nachkommen von Karl Grimm ist nichts bekannt. Jedenfalls besteht der Name „Grimm“ heute in Metz nicht mehr. Die Mutter von Karl Grimm verstarb 1857, nach einer sehr unglĂŒcklichen Ehe mit dem Handelsmann Philipp Robinson, in Oberstein.

Der Sohn Friedrich Karl Grimm (1840-1919) heiratete, Katharina geb. Schaun (1838-1897) aus Baumholder, aus dem Haus Hauptstraße Nr. 3

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gehörte das Anwesen Hauptstraße 3 dem Ackerer Heinrich Bier (geb. 1761) und dessen Ehefrau Elisabeth Katharina geb. Doll, die aus Erzweiler stammte. Deren Tochter Katharina Elisabeth Henriette (geb. 1785), heiratete Anfang des 19. Jahrhunderts den Land- und Gastwirt Peter Schaun (geb. 1778), der aus Offenbach am Glan stammte. Er war der Sohn des dortigen BĂ€ckers Peter Schaun und Catharina geb. Eckel.

Der Sohn der Eheleute Schaun/Bier, Peter Schaun jr. (1806-1886), Beruf Land- und Gastwirt, blieb im Haus und heiratete Katharina geb. Jost (1813-1879), die aus dem Haus Oberstraße Nr. 12. stammte. Peter Schaun jr. fĂŒhrte die von seinem Vater gegrĂŒndete Gastwirtschaft weiter. Er hatte den Spitznamen „Trumpel-Peter“, weil er Klavier spielen konnte. Auf seinem Klavier, das spĂ€ter im Hause Grimm/Licht stand, ĂŒbte noch in seinen jungen Jahren der Baumholderer Maler Jakob Schug, als er sich zum Volksschullehrer ausbilden ließ. Peter Schaun wollte sich auch unternehmerisch betĂ€tigen. Er beabsichtigte in der gemeindeeigenen Lehmkaul eine Ziegelfabrik zu bauen. Dieser Plan wurde jedoch durch den damaligen BĂŒrgermeister Stephan Heyl vereitelt. Als dieser spĂ€ter diese Ziegelfabrik selbst bauen wollte, verhinderte Peter Schaun dieses Vorhaben. Er hatte inzwischen im Stadtrat einen so großen Einfluss, dass ihm dies gelang. WĂ€re damals dieser Plan, ganz gleich von wem, verwirklicht worden, dann die Folgen des Großbrandes von 1880 sicher weniger schwer gewesen. Das Feuer verbreitete sich vor allem wegen der umherfliegenden brennenden Teile der noch vielen StrohdĂ€cher so schnell, dass der grĂ¶ĂŸte Teil der HĂ€user im Stadtkern niederbrannte bzw. beschĂ€digt wurden.

Peter Schaun hatte in seiner zweiten LebenshĂ€lfte ein derart großes Vermögen, vor allem an Landbesitz, dass er einige Zeit als einziger BĂŒrger der Stadt nach dem damaligen Wahlrecht in der 1. Klasse wĂ€hlen durfte.

Das einzige Kind der Eheleute, die Tochter Katharina heiratete 1860 den Ackerer und Metzger Friedrich Karl Grimm, gen. Fritz Grimm, aus dem Haus Hauptstraße 16.

Nach seiner Schulentlassung musste Fritz Grimm, wie sein Vater und Großvater, den Beruf des Metzgers erlernen. Seine Lehrzeit verbrachte er in Kusel bei dem Metzgermeister Philipp Schlosser. Dieser Meister Schlosser war in und um Kusel durch seinen Humor und auch durch manchen derben Spaß bekannt. So soll sich wĂ€hrend der Lehrzeit von Fritz folgendes zugetragen haben: Der Meister und sein Lehrbub waren frĂŒhmorgens in Körborn zum Schlachtviehkauf unterwegs. Sie kamen dabei in ein Bauernhaus, in dem die ganze Familie noch im Stall mit den FĂŒtterungsarbeiten beschĂ€ftigt war. Es war deshalb  niemand in der KĂŒche. Das Butterfass war zum Butterstoßen gut halb mit Rahm gefĂŒllt und die Katze lag schlaftrunken auf der Bank. Der Schlosser Philipp ergriff die Katze, steckte sie in das Butterfass und verschloss dies mit Stöpsel und Deckel. Das Tier ertrank im Rahm. Die beiden wĂŒnschten den Bauersleuten noch einen guten Morgen, gingen ihren GeschĂ€ften nach und kauften bei einem anderen Bauern ein Schlachtrind. Am frĂŒhen Nachmittag waren sie mit dem Rind wieder daheim in Kusel. Hier empfing sie die Frau Meisterin. Sie teilte dem Meister mit, dass die Bauersfrau aus Körborn mit einem großen Klumpen Butter, den er vormittags gekauft hĂ€tte, schon da gewesen sei. Sie habe die Butter gleich bezahlt. „Um Gottes Willen, wirf die Butter schnell weg. Ich will davon nichts sehen!“ Hier hatte Philipp seine „Meisterin“ gefunden, die ihm eine gehörige Lektion erteilt hatte, indem sie die tote Katze fein mit Butter bestrichen eilig zu den Schlossers nach Kusel brachte.

Fritz Grimm betrieb schon frĂŒh seine Handels- und GeldgeschĂ€fte. Der vorzeitig von den Eltern ausgezahlte Teil seines finanziellen Erbes und auch der RĂŒckhalt seiner Schwiegereltern erleichterten ihm sicher den Beginn. Die Familie Grimm jr. wohnte um 1880 im Elternhaus des Ehemannes. Beim Wiederaufbau des durch den Großbrand beschĂ€digten Hauses, wollte der Sohn das GebĂ€ude um ein Stockwerk erhöhen. Der Vater lehnte dies strikt ab. Daraufhin verließ der Sohn mit seiner Familie das Haus und zog zu den Schwiegereltern.

Nach dem Tod des Vaters im Jahre 1887 ĂŒbernahmen Fritz und Katharina Grimm dann Haus und Hof in der Hauptstraße 16. Die Landwirtschaft ließ Fritz Grimm von seinem Dienstpersonal bewirtschaften. So engagierte er den aus der Gegend um Hannover stammende Ferdinand August Schinkel als Fuhrmann fĂŒr seine Landwirtschaft. Er besorgte ihm, als dieser verheiratet war, eine Fuhrmannstelle bei der Post. Schinkel war der letzte Postillion von Baumholder und Ahnherr der heute weit verzweigten Familie Schinkel.

Nach dem Ende des Krieges 1870/71 fiel Elsass-Lothringen an das Deutsche Reich. Die Stadt Metz wurde sehr schnell zu einer deutschen MilitĂ€rstadt ausgebaut. Ein ganzes Armeekorps wurde dort stationiert. Die Truppen hatten damals viele Pferde, die natĂŒrlich viel Futter und Stroh verbrauchten. Das Stroh wurde auch fĂŒr die StrohsĂ€cke in den Betten der Soldaten benötigt. Fritz Grimm lieferte nach Ausschreibung an das MilitĂ€r in Metz fĂŒr ein Jahr das notwendige Heu, das Stroh und den Hafer. Der Ertrag aus diesem Auftrag bildete die finanzielle Grundlage fĂŒr sein gut gehendes Geld- und HandelsgeschĂ€ft. Allerdings gab es auch RĂŒckschlĂ€ge. So ging ein GeschĂ€ft mit dem MĂŒhlenbetrieb Thress in Bad Kreuznach, nach einem Prozess, in die  BrĂŒche. Dies hatte ihn sehr viel Geld gekostet.

Der Hang zum Schabernack tauchte bei Fritz Grimm immer wieder auf. Den damaligen BĂŒrgermeister Fuchs konnte er aus irgendwelchen GrĂŒnden nicht leiden. Ihm wollte er einen handfesten Streich spielen. Das heutige GartengelĂ€nde hinter dem Haus Hauptstraße 10, dem Nachbarhaus des Stadthauses, gehörte Fritz Grimm. Er wollte auf dem hinteren Teil dieses GrundstĂŒckes ein dreigeschossiges ScheunengebĂ€ude errichten lassen, um damit dem BĂŒrgermeister die schöne Aussicht aus seinem Dienstzimmer im Stadthaus aus zu verderben. Aber – es kam anders. Als die Zimmerleute das DachgebĂ€lk aufgeschlagen hatten und bei Essen und Trinken im Haus Grimm saßen, fiel der gesamte Neubau in sich zusammen. BĂŒrgermeister Fuchs hatte seine schöne Aussicht wieder. Grimm hat das GrundstĂŒck mit der Bauruine nie mehr betreten. Wer Bausteine oder Holz benötigte, konnte sich an „Grimme-Scheier“ bedienen. Dieser Streich ging wirklich total daneben.

Fritz Grimm engagierte sich auch am öffentlichen Leben. Er war Mitglied des Stadtrates und des Kreistages. Dem Landgericht in SaarbrĂŒcken gehörte er als Geschworener an. Als Stadtratsmitglied unterstĂŒtzte er wichtige stĂ€dtische Einrichtungen, wie etwa den Bau der Wasserleitung von der Winterhauch bis zur Stadt Baumholder. Der folgende Bau der öffentlichen Wasserversorgung der Stadt und die Einrichtung eines ElektrizitĂ€tswerkes am Weiher mit der Elektrifizierung der Stadt, fand seine Zustimmung und UnterstĂŒtzung. Dagegen war er strikt gegen den Bau der Bahnverbindung Heimbach-Baumholder. Er erlebte die Fertigstellung nicht mehr. Seine ihm gehörenden GrundstĂŒcke zum Bahnbau verĂ€ußerte er nicht freiwillig, sie mussten ihm enteignet werden.

Im Jahre 1896 eröffnete Fritz Grimm in seinem Wohnhaus eine Weinwirtschaft. Das Lokal befand sich im Erdgeschoss im ersten Zimmer rechts vom Flur. Sicher war mit einer Weinwirtschaft zu dieser Zeit in Baumholder „nicht die Welt zu verdienen“, aber er hatte damit jeden Tag eine ihm genehme Gesellschaft in seinem Haus.

Fritz Grimm war sein Leben lang ein sehr selbstbewusster Mensch, hatte allerdings auch einige Marotten. So z. B. fastete er an Karfreitag bis es abends dunkel war. Er arbeitete an diesem Feiertag ĂŒberhaupt nicht. Sogar die TĂŒren öffnete er nicht mit der Hand, sondern mit dem Ellbogen. Er war ein AnhĂ€nger des „Baunscheidt’schen Heilverfahrens“. In seinem Nachlass befand sich ein Werk ĂŒber dieses Naturheilverfahren. Im Jahr 1910 verstarb Friedrich Karl Grimm. Sein Grab war das erste, auf dem neu angelegten Friedhof in Baumholder. Es ist heute noch als Familiengrab Grimm/Licht erhalten.

Das Ehepaar Friedrich Karl Grimm (1840-1910) und Katharina geb. Schaun (1838-1897) hatte zwei Töchter:

Emilie (1871-1888)

Friederike CĂ€cilie (1876-1917), die 1898 den Metzger und Landwirt Karl Daniel Licht (1875-1937) heiratete.

Daniel Licht stammte aus der Metzgerei Licht, Haus Hauptstraße 12. Er war der Sohn der Eheleute Karl Daniel Licht (1840-1924) und Wilhelmine geb. JĂ€ger (1849-1928).

Der „Ursprung“ der Familie Licht ist nicht genau festzustellen. Weder in MambĂ€chel, wo Kaspar Licht 1755 geboren wurde, noch in Baumholder war vor dem DreißigjĂ€hrigen Krieg eine Familie namens Licht ansĂ€ssig. Der NamenstrĂ€ger musste also Mitte des 17. Jahrhunderts nach dem schrecklichen Krieg zugezogen sein. Er kam in das damals fast menschleere und verwĂŒstete Land und hat sich in MambĂ€chel angesiedelt. Es gibt gewisse Hinweise, dass er aus der Schweiz in die entvölkerte Gegend  einwanderte.

Die Eheleute Licht / JĂ€ger hatten sieben Kinder:

Wilhelmine (1873-1977)

Sie war verheiratet mit dem Lehrer Friedrich Diehl, der aus dem saarlĂ€ndischen Köllertal stammte. Diehl war ĂŒber vierzig Jahre Volksschullehrer in Baumholder.

Friedrich (1878-1947)

Er erlernte den Metzgerberuf, heiratete Karoline geb. Faber (1890-1976) und ĂŒbernahm den elterlichen Betrieb, bestehend aus Gastwirtschaft, Metzgerei und Landwirtschaft.

Lina (1884-1961)

Sie heiratete den Lehrer Jakob Groß. Die Eheleute wohnten in SaarbrĂŒcken. Jakob Groß nahm als Offizier am Ersten Weltkrieg teil. Er war u.a. in den verlustreichen KĂ€mpfen an der Somme eingesetzt und erhielt das E.K. I. Klasse.

Rudolf (1884-?)

Er war Lehrer und unterrichtete und wohnte mit seiner Ehefrau Martha geb. Eckel in Herrensulzbach.

Wilhelm, gen. Willi (1887-1915)

Er besuchte nach der Volksschule die Höhere Handelsschule in in Calw. Den Kaufmannsberuf erlernte er in dem Eisen- und HaushaltswarengeschÀft Cullmann u. Stroh in Kirn. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges wurde er zu einem JÀgerregiment nach Schlettstadt im Elsass einberufen und in der russischen Ostfront eingesetzt. Er kam verwundet in russische Gefangenschaft. Ein spÀter heimgekehrter deutscher Gefangener berichtete, dass er ihn in Samarkand auf einer Tragbahre gesehen und mit ihm gesprochen habe. Dies war das letzte Lebenszeichen von ihm.

 

Otto (1890-1942)

Er erlernte das Metzgerhandwerk und arbeitete im elterlichen und spĂ€ter im Betrieb des Bruders Fritz. Auch er wurde gleich nach Kriegsbeginn zu seiner militĂ€rischen Einheit, dem Infanterieregiment Nr. 13 in Köln, eingezogen. Das Regiment wurde an der lothringischen Front eingesetzt. Bei einem Sturmangriff auf die französischen Linien bei Dijeus erhielt Otto einen schweren Kopfstreifschuss. Nach langer Kranken- und Genesungszeit wurde er aus der Armee entlassen und arbeitete, wenn auch sehr eingeschrĂ€nkt, wieder daheim. Die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges haben ihn sehr belastet. Im Sommer 1942 besuchte er abends seine Schwester. Morgens fanden ihn zwei Schulbuben, die zur Bahn gingen, tot in einem Seitenpfad des BrĂŒhlweges. Er hatte sich mit einem Schlachtermesser das Leben genommen.

Karl Daniel, gen. Daniel (1875-1937)

Daniel Licht erlernte, wie sein Vater den Metzgerberuf im elterlichen Betrieb.

Karl Daniel Licht heiratete die Tochter aus dem Nachbarhaus, Friederike Caecilie Grimm – gen. Frieda (1876-1917) .

Daniel Licht hat als fĂŒnfjĂ€hriger Bub noch den großen Brand in Baumholder im Jahr1880 erlebt. Er konnte sich daran erinnern, dass nachmittags um drei Uhr, die erst ein Jahr alte Stadtuhr noch einmal geschlagen hatte und dann brennend vom Dach des Stadthauses gestĂŒrzt sei. Die Glocke der Uhr sei auf der Straße vor dem Haus Licht zerborsten. Das Elternhaus von Daniel wurde außerordentlich stark beschĂ€digt; es wie das Nachbarhaus, das Stadthauses. Das Wohnhaus war nicht mehr bewohnbar. Auch die Scheune und das angebaute Schlachthaus wurden durch den Brand zerstört. Die Familie kam notdĂŒrftig im Haus des Schwagers Schaun in der Hauptstraße Nr. 39 unter.

Zum Wiederaufbau der Wohn- und WirtschaftsgebĂ€ude wurden u.a. Steine von den Mauern der Burg Lichtenberg, hier vor allem von dem westlichen Burgteil, der Altburg, abgebrochen. Dabei „ging“ auch der Wappenstein der Burg mit. Im Jahre 1926 entdeckte der damalige Landrat Dr. Hoevermann diesen Wappenstein an der hinteren Hauswand am Haus Licht. Er ließ den Stein ausbauen und an dem Badischen Amtshaus auf der Burg wieder einsetzen. Dort ist das Wappen heute noch zu sehen.

Die verheerende Wucht des Feuers wurde auf dieser Seite der Hauptstraße durch den großen Garten der Familie Licht, der zwischen den HĂ€usern Licht und Grimm lag, gebrochen. Das damalige GartengrundstĂŒck ist das heutige HausgrundstĂŒck Hauptstraße 14.

Nach seiner Lehre ging Daniel mit seinem Freund, dem Schmiedegesellen Karl Bier, als Handwerksbursche auf die Walz. Die beiden wanderten zu Fuß ĂŒber Frankfurt bis nach Schleusingen in ThĂŒringen. Dort wohnte die Tante Philippine von Daniel Licht, die seit 1882 mit dem Gendarmen Thiele verheiratet war. Die Nachkommen von Philippine Thiele geb. Licht hielten verwandtschaftliche Verbindung mit dem Elternhaus von Daniel ĂŒber den Zweiten Weltkrieg bis in die schlechten Jahre der DDR.  Die „Walz“ der beiden Handwerksburschen aus Baumholder war ein langer Fußmarsch. Er wurde nur unterbrochen, wenn sie in einem Metzgerei- oder Schmiedebetrieb Arbeit annahmen, oder auch nur ein Almosen vom Meister „abfiel“.  Der Daniel suchte bei diesem Marsch mit Vorliebe die BĂ€ckerlĂ€den auf. Er aß fĂŒr sein Leben gern SĂŒĂŸigkeiten In ThĂŒringen erlernte Daniel Licht die Herstellung der weltberĂŒhmten ThĂŒringer Bratwurst. SpĂ€ter wurde in „seinem Rezept“ zur Herstellung der Wurstmasse wurde kein Wasser, sondern Sekt verwendet. Seine ThĂŒringer Bratwurst war wirklich eine Köstlichkeit.

Seine MilitĂ€rdienstzeit leistete Daniel Licht von 1895 bis 1897 bei dem „2. Garde-Regiment zu Fuß“ in Berlin ab. Diese beiden Jahre waren fĂŒr ihn ein unvergessliches Erlebnis, an das er sich sein Leben lang erinnerte und gerne davon erzĂ€hlte. Dort traf er Rudolf Weierbacher aus Baumholder traf, der in Berlin ebenfalls seine MilitĂ€rdienstzeit absolvierte. Weierbacher war ebenfalls Metzger. Er heiratete spĂ€ter nach Kusel und betrieb dort eine bekannte Metzgerei.

Viele heute noch erhaltene Briefe von Daniel Licht an seine Lieblingsschwester Lina lassen erkennen, wie wohl er sich wĂ€hrend seiner Soldatenzeit in Berlin gefĂŒhlte. Er nahm an mehreren ParadeaufmĂ€rschen vor Kaiser Wilhelm II. auf dem Tempelhofer Feld teil. In der Neujahrsnacht 1896/897 stand er als Wachposten vor der Neuen Wache „Unter den Linden“. Von dem großen Kaisermanöver in Pommern erzĂ€hlte er sein Leben lang. Allerdings sollte sich die ihm wĂ€hrend seiner MilitĂ€rzeit besonders bei der Kaiserlichen Garde anerzogene unbedingte StaatsglĂ€ubigkeit fĂŒr ihn und seine Familie bitter auswirken.

Nach der zweijÀhrigen MilitÀrdienstzeit heiratete er Frieda Grimm.

Das Ehepaar hatte zwei Kinder:

Frieda (1899-1963), die spÀter den Kreisbeamten Hans Koob heiratete

Friedrich – gen. Fritz (1900-1983)

Daniel Licht, der den landwirtschaftlichen Betrieb Grimm ĂŒbernahm, widmete sich mit sehr viel Fleiß seiner damals ĂŒber 100 Morgen (25 ha) großen Landwirtschaft.

Bei der spĂ€teren Erbauseinandersetzung im Hause Licht, wollten die beiden Schwestern – die Ehefrauen der Schullehrer Diehl und Groß – dass der Bruder Daniel den sogenannten „Lichte Garten“ ĂŒbernehmen sollte. Dies war das GrundstĂŒck zwischen den HausgrundstĂŒcken Licht und Grimm in der Hauptstraße. Der Bruder Daniel bestand jedoch darauf, dass das recht große GrundstĂŒck bei dem Elternhaus bleiben mĂŒsse. Um 1930 kam der Betrieb „Metzger Lichte“ in finanzielle Schwierigkeiten. Die Eheleute Licht verkauften das große GartengrundstĂŒck an den BĂ€ckermeister Fritz Theobald, der hier das heutige Haus Hauptstraße 14 erbaute.

Friedrich Grimm starb 1910 und seine Tochter und ihr Ehemann erbten sein ansehnliches Vermögen. Vier Jahre spĂ€ter jedoch brach die große Katastrophe, der Erste Weltkrieg, aus. Daniel Licht wurde zur Landwehr eingezogen. Die Landwehr war keine kĂ€mpfende Truppe, sondern wurde im Heimatdienst oder auch als Besatzungstruppe eingesetzt. Daniel Licht arbeitete als Soldat in seinem erlernten Beruf als Metzger fĂŒr das Große Hauptquartier des Kaisers, das sich ab 1916 in Bad Kreuznach befand. Er hatte sein Quartier bei der Landwirts- und Winzerfamilie Kunz in Langenlonsheim.

Der landwirtschaftliche Betrieb in Baumholder wurde wĂ€hrend der Kriegsjahre ĂŒberwiegend von Ă€lteren HilfsarbeitskrĂ€ften und von dem 14jĂ€hrigen Sohn Fritz bewirtschaftet, der gerade aus der Volksschule entlassen war. Leider hatte Daniel Licht und seine Familie große Sorgen mit der Ehefrau und Mutter, die an einer schweren Tuberkulose erkrankt war. Friederike Licht verstarb im Jahre 1917 und hinterließ ihre beiden unmĂŒndigen Kinder alleine auf dem Hof.

Die Vermögensverwaltung wĂ€hrend der Kriegsjahre, erledigte der pensionierte Rechnungsrat Thönnes, der im Haus Licht Hauptstraße 16 wohnte. Wegen seiner dauernden Abwesenheit in dieser Zeit und der UnmĂŒndigkeit seiner beiden Kinder hatte ihm Daniel Licht Generalvollmacht erteilt, d. h. Thönnes konnte alle RechtsgeschĂ€fte fĂŒr ihn erledigen. Dieser nutzte jede sich bietende Gelegenheit, um ansehnliche Teile des Vermögens Grimm/Licht zu verĂ€ußern und als Kriegsanleihe zu zeichnen. Nach dem Tod seiner Ehefrau musste Daniel Licht fĂŒr seine beiden Kinder einen namhaften Betrag „mĂŒndelsicher“ bei der Kreissparkasse in St. Wendel auf Sparkonten festlegen. Diese beiden Konten durften 1918 auch als Staatsanleihe zur KriegsfĂŒhrung gezeichnet werden, was der Vermögensverwalter dann auch tat. Der grĂ¶ĂŸte Teil des Vermögens der Familie war damit verloren.

Gegen Ende des Ersten Weltkrieges wurde der Sohn Fritz ebenfalls noch eingezogen und erhielt bei dem Artillerie-Regiment Nr.28 in SaarbrĂŒcken seine Ausbildung. Hier erlebte er das Kriegsende mit den ersten revolutionĂ€ren Erscheinungen. Am Bahnhof traf er einen Jugendfreund Otto Bier mit roter Armbinde und Gewehr, der hier fĂŒr eine sozialistische Gruppe Wache stand.

Der furchtbare Krieg war nun zu Ende. Der französischen Besatzung mussten angesehene deutsche BĂŒrger als Geiseln gemeldet werden. Auch Daniel Licht wurde als Geisel benannt.

Sehr bald zeichnete sich nach Kriegsende der Verfall der durch die enormen Kriegsschulden belasteten deutschen WĂ€hrung ab. Der Wert des angesparten Geldes sank immer mehr. Dies traf natĂŒrlich auch die Familie Licht. Als 1922 in der Bahnhofstraße das Haus Nr. 4 zum Preis von 36.000,- Reichsmark zum Kauf angeboten wurde, bedrĂ€ngte der Sohn Fritz seinen Vater zum Kauf dieses Hauses, um so wenigstens einen kleinen Vermögensteil mit einer Immobilie zu retten. Der Vater weigerte sich. Er glaubte immer noch, dass der Staat seine Sparer nicht um ihr Vermögen bringen könne. Nach einem Jahr konnte man fĂŒr diesen Preis keine Schachtel Streichholz mehr kaufen. In nur einem Fall konnte Daniel Licht durch einen Immobilienerwerb eine kleine Geldsumme ĂŒber die Entwertung retten. Er finanzierte direkt nach dem Krieg dem Tagelöhnerehepaar Jakob und Katharina Weiß den Kauf des kleinen eingeschossigen Hauses in der LĂŒckstraße Nr. 18. Da die Eheleute Weiß den finanziellen Verpflichtungen nicht nachkommen konnten zog Daniel Licht 1920 das Haus an. Er verĂ€ußerte es 1927, also gegen „neues Geld“, an die Eheleute Fritz und Katharina Denner. Heute gehört es dem Enkel Hans Heinrich Poppelreuther. Das ansehnliche Vermögen der Familie Grimm/Licht aber war fast völlig verloren, was zu einem großen Teil der StaatsglĂ€ubigkeit von Daniel Licht zugeschrieben werden kann. Er starb 1937 einen plötzlichen Herztod beim Dreschen neben der Dreschmaschine.

Im Jahre 1927 heiratete Friedrich Licht, gen. Fritz (1900-1983) die aus MambÀchel stammende Luise geb. Schug (1905-1997).

Sie hatten zwei Kinder:

Friedrich Daniel – gen. Fritz (1927)

Gerda Lieselotte – gen. Liesel (1932)

Fritz Licht und seine Frau Luise, meine Eltern, ĂŒbernahmen den elterlichen landwirtschaftlichen Betrieb in der Hauptstraße Nr. 16.

 

Überarbeitet von Ingrid Schwerdtner geb. Licht

Autor:
Ingrid Schwerdtner

Medium:
Text

Veröffentlichungsdatum:
2016

In GWB seit:
5. Dezember 2016

Tags: 
Familienforschung, Grimm, Licht, Schaun, baumholder, personen

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