Familie Michael Braun aus Ruschberg

Geschrieben von Jane Taubert am in Familiengeschichten

Familie Michael Braun aus Ruschberg / heute North Carolina

von Jane Taubert

Johann Michael Braun (geb. 19. Oktober 1732 in Ruschberg, Rheinland/Pfalz; gest. April 1807 in Rowan County, North Carolina)

1738 – Michael Braun, 5 Jahre alt, erreicht den Hafen von Philadelphia (damals Teil der englischen Kolonie Pennsylvania) am 09. September mit dem englischen Schiff „Glasgow“. Mit ihm reisen seine beiden Eltern Stephan Christian Braun (1702-1763) und Maria Eva Hamen Braun (1710-1750), sowie sein Bruder Johann Jakob (8 Jahre) und seine Schwester Christina Elisabeth (4 Jahre). Die jüngste Tochter Maria Catharina (2 Jahre) stirbt  vermutlich bei der Überfahrt. Die Familie ist aus Ruschberg (Pfalz). Weil Stephan Christian die Passage für seine Familie nicht bezahlen kann, verpflichtet er sich per Knechtschaftsvertrag mit dem Schiffskapitän, sich bei Ankunft in Philadelphia an den Höchstbietenden als Leibeigene verkaufen zu lassen.

Die Familie wird wie verabredet für 7 Jahre an einen deutschen Landbesitzer in der Nähe von Philadelphia (Lancaster County) verkauft. Stephan Christian und Maria Eva müssen für den Landherren arbeiten; die Kinder erhalten Unterkunft und Schulbildung, alle bekommen Essen und das Notwendige zum Leben.

Es folgen die Geburten der Kinder Anna Christiana (1739) und Abraham (1742).

1745:  Michael Braun ist 12 Jahre alt, die 7 Jahre der Vertragsknechtschaft seiner Familie sind vorbei. Sie sind freie Bürger und erhalten ein kleines Stück Land, auf dem sie sich ein eigenes Haus und Bauernhof errichten dürfen.

Es folgen die Geburten der Braun Kinder Susanna (1746) und Andreas (1748).

Die Mutter Maria Eva Braun stirbt bei der Geburt der Tochter Mariah Margaretha (1750).

1751:  Michael Braun ist 18 Jahre alt, hat das Handwerk des Wagenradbauers gelernt und will nach Süden ziehen. In North Carolina gibt es reichlich Land zu billigen Preisen für diejenigen, die keine Angst vor den Catawba und Cherokee Indianern haben. Er heiratet die junge Deutsche Margaretha Katharina Schambach und zieht mit ihr und seinem Vater (49 Jahre alt) sowie mit den jüngeren Brüdern Abraham (9 Jahre) und Andreas (3 Jahre) nach Rowan County, North Carolina. In weniger als 10 Jahren wird Michael Großgrundbesitzer und ein angesehener Bürger des Landkreises, gehört den Stadtrat und den Kirchenrat an. Er schenkt der Gemeinde ein großes Stück Land für den Bau einer lutherischen Kirche.

Er errichtet aus dem heimischen Granitstein ein prächtiges Eigenheim (Fertigstellung 1766), das noch heute steht und als „Old Stone House“ bzw. „Michael Braun House“ weitläufig bekannt ist. Das Haus wurde 1971 in die Liste „National Register of Historic Places“ aufgenommen. Michael wurde Vater von insgesamt 14 Kindern. Die Brauns und die mit ihnen verwandte Fischer Familie vereinten sich Mitte des 20. Jahrhunderts zur „Brown Fisher Association“, und haben sich die Pflege ihrer deutschen Wurzeln und Kultur zum Ziel gesetzt.

Der entsprechende Artikel in der Nahe-Zeitung (August 2016) kann unter folgendem link angesehen werden:

http://www.rhein-zeitung.de/region/lokales/nahe_artikel,-ahnenforscher-im-westrich-auf-spurensuche-_arid,1534750.html

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Karl-Heinz Röder

Geschrieben von Jürgen Henze am in Ehemalige und neue Bürger, Familiengeschichten

Karl-Heinz Röder

Schicksal eines Sudetendeutschen, der in Baumholder seine neue Heimat fand.

Aufgezeichnet von Jürgen Henze

Karl Heinrich Röder, in seiner zweiten Heimat Karl-Heinz genannt, wurde am 23. Mai 1930 in Neutitschein, der Stadt der Tuchmacher, im Sudetenland geboren. Seine Vorfahren stammten aus Österreich. Wegen der schlechten Arbeitslage nach dem 1. Weltkrieg verließ Großvater Heinrich Klär die Heimat und zog mit seiner Familie in das sog. Kuhländchen (Kravařsko) in der Gegend von Troppau im Sudetenland. Dort wuchs Karl Heinrich zunächst auf und besuchte ab 1936 die Volksschule in Neutitschein. Seine Cousins Eduard und Gerhard Röder waren seine großen Vorbilder. Wie sie wollte er später einmal zur Marine gehen. Voraussetzung dafür war allerdings eine mindestens einjährige Berufsausbildung. Karl Heinrich beendete daher 1944 nach acht Jahren seine Schullaufbahn und begann eine Schreinerlehre. 1946 hätte er dann auf das Segelschulschiff „Horst Wessel“ (heute US-Schulschiff „Eagle) kommen sollen. Doch der 2. Weltkrieg und dessen Ausgang machten dem jungen Karl Heinrich einen Strich durch die Rechnung. Wie so viele andere musste er im Mai 1945 seine geliebte Heimat verlassen, während seine Mutter Maria Röder zu Zwangsarbeit verpflichtet wurde und mit seinem kleinen Bruder Horst vorerst zurückbleiben musste. Zusammen mit einem gleichaltrigen Freund wurde Karl Heinrich im offenen Viehwaggon an die Reichsgrenze Deutschlands befördert. Dort wurden der damals Fünfzehnjährige und sein Freund sich selbst überlassen. Maria Wess, eine Cousine seiner Mutter, lebte damals in Leoben in der Steiermark. Bei ihr wollte man sich treffen, falls man sich einmal aus den Augen verlieren sollte. Das hatte ihm die Mutter mit auf den Weg gegeben. So versuchte Karl Heinrich zunächst einmal nach München zu gelangen. Von dort würde er schon irgendwie weiterkommen.

Bad Schandau, Pirna und Dresden waren die ersten Stationen auf seinem langen Weg, an die er sich noch gut erinnern kann. Deutschland war damals in vier Besatzungszonen eingeteilt und wurde von den Siegermächten USA, Großbritannien, Frankreich und der Sowjetunion verwaltet. München lag in der amerikanischen Zone. Karl Heinrich aber befand sich noch in der sowjetischen Besatzungszone. Das wurde ihm spätestens klar, als er von russischen Soldaten aufgegriffen und festgesetzt wurde. Zwei Tage lang wurde er festgehalten, dann durfte er weiterziehen. Schließlich gelangte er irgendwo an einen Grenzbach und erreichte endlich die amerikanische Zone. Das konnte er an der Flagge erkennen, die über einer Baracke wehte. Schwestern vom Roten Kreuz kümmerten sich dort um Verwundete. Die Jungs erhielten etwas zu essen und zogen weiter. In langen Fußmärschen erreichten sie nach etwa 1 ½ Monaten Freilassing. Hier erwischten sie einen Kohlenzug in Richtung Salzburg, doch amerikanische Soldaten holten ihn und den Freund da herunter. Karl Heinrich hatte ja keinerlei Papiere bei sich. Für den Grenzübertritt brauchte er aber ebensolche Papiere.

Grenzübertritt? Ach ja, das Großdeutsche Reich bestand ja nicht mehr. Österreich war wieder eigenständig geworden. Und zwischen beiden Ländern gab es wieder eine Grenze. Karl Heinrich musste zur Entlassungsstelle, einem Lager in Bad Reichenhall.
Dort waren zahlreiche deutsche Soldaten versammelt, darunter auch viele verwundete. Sie alle waren Gefangene, trugen aber noch ihre Uniformen mit Hoheitsadler – „Pleitegeier“, sagt Karl-Heinz heute –Achselstücken und sämtlichen Auszeichnungen. Was das zu bedeuten hatte, darüber konnte er nur spekulieren. Das Gute aber war, die Landser hatten reichlich zu essen und Karl Heinrich, der in der zurück liegenden Zeit so manches Mal Kohldampf geschoben hatte, wurde mit verpflegt. Untersuchung durch einen amerikanischen Arzt, Entlausung mit der großen, hölzernen DDT-Spritze, dann durfte er nach ein paar Tagen auch von hier aus weiterziehen. War wohl nicht als „Werwolf“ angesehen worden. Ausgerüstet mit den notwendigen Papieren zur Entlassung in die amerikanische Zone Österreichs, marschierte er zurück nach Freilassing. Mit dem roten Stempel in seinem Ausweis und der Bemerkung „Fit for Labor“ konnte er jetzt die österreichische Grenze offiziell überschreiten. Mit dem Zug fuhr er nach Salzburg, um sich von dort bis zu seinen Verwandten in Leoben durchzuschlagen.

Groß waren die Überraschung und natürlich auch die Freude bei seiner „Tante Maria“, wie er sie nannte. Sie selbst lebte in beengten Verhältnissen, aber sie besorgte ihm eine Unterkunft und Arbeitsstelle in einem kleinen Bauernhof. Und sie konnte mit Hilfe einer tschechischen Freundin seiner Mutter sogar ein Lebenszeichen von ihrem Sohn übermitteln. Tante Maria, die sich in der SPÖ der Stadt Leoben engagiert hatte, brachte auch seine behördliche Anmeldung in der Stadt zuwege. Das war wichtig, weil er sonst keine Lebensmittelharten erhalten hätte. Ein Jahr lang etwa arbeitete er als Knecht auf dem kleinen Bauernhof. Auf Dauer aber konnte und wollte er hier nicht bleiben. Er war ja schließlich kein Österreicher.

Es war im Jahr 1946, als er eines Tages die Aufforderung zur Ausreise nach Deutschland erhielt. Da hieß es für ihn Abschied nehmen. Züge fuhren wieder. Im Viehwaggon fuhr Karl Heinrich nach Stuttgart. Einen Tag und eine Nacht lang mussten alle Reisenden im Zug am Bahnhof Stuttgart bleiben. Dann endlich ging es weiter in das Auffanglager Dieburg bei Darmstadt. Auch hier musste er wieder elend lange warten. Schließlich erfuhr er dort, dass die Mutter mit seinem Bruder Horst in Hörnsheim bei Wetzlar (heute Ortsteil von Hüttenberg) eine erste Bleibe gefunden hatte.

Karl Heinrich bekommt die Zuzugsgenehmigung für Hessen. Er erhält eine Fahrkarte und nimmt den Zug nach Wetzlar. Er freut sich schon auf das Widersehen mit seiner Mutter und seinem Bruder Horst. Jetzt konnte es nicht mehr lange dauern. Über Frankfurt und Gießen sollte es nach Wetzlar und von da aus nach Hörnsheim gehen. Doch Züge sind nicht immer pünktlich. Als Karl Heinrich abends in Gießen eintrifft, fährt kein Zug mehr nach Wetzlar. Er muss im Bahnhof übernachten. Mit dem ersten Zug früh am Morgen erreicht er die Kreisstadt an der Lahn. Vor dem Bahnhofsgebäude in Wetzlar stehen drei Postbusse. Unschlüssig geht Karl Heinrich von einem zum anderen. Da ruft ihn der Fahrer eines der drei Busse an: „Na, Bub, wo willst denn hin? Nach Hörnsheim? Steig ein, das ist meine Tour.“

Mit der Busfahrt zu der kleinen Hessengemeinde fand die Odyssee des jungen Karl Heinrich ihr vorläufiges Ende.

Als Vater Karl noch im gleichen Jahr aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrte, war die Familie Röder wieder glücklich vereint. Und so ganz allmählich kehrte auch bei der Flüchtlingsfamilie Röder wieder ein geregeltes Leben ein. In Großen-Linden im Landkreis Gießen fand Karl Heinrich in der Schreinerei Karl Stroh zum Glück eine Lehrstelle, in der er seine in Neutitschein begonnene Berufsausbildung zum Schreiner fortsetzen konnte. 1949 legte Karl Heinrich Röder vor der Schreiner-Innung in Gießen seine Gesellenprüfung ab. Die Zeiten waren schlecht. Der Schreiner Karl Stroh konnte ihn als Gesellen nicht länger beschäftigen und so arbeitete Karl Heinrich anschließend als Facharbeiter im Ersatzteillager der US Army in Butzbach. Bald darauf wechselte er jedoch zur Labor Service Einheit der US Army in Gießen.

Hier wurde er in eine schwarze Uniform gesteckt, die im Schnitt der Kleidung amerikanischer Soldaten glich, und leistete vor allem Fahrdienste. Und er durfte als junger Bursche bereits über eine Dienstwaffe verfügen. Zu dieser Zeit, in der es Deutschen generell untersagt war, Waffen zu tragen, genossen die Angehörigen der US Labor Service Units bereits großes Vertrauen und wurden mit Gewehren ausgerüstet. Im Zuge eines US Truppenaustausches zwischen Hessen und Rheinland-Pfalz kam Karl Heinrich Röder dann 1951 nach Baumholder.

Ein Arbeitsunfall wird für Karl-Heinz, wie er hier im Westrich jetzt genannt wird, zum Glücksfall. Bei dem anschließenden Krankenhausaufenthalt lernt er Irmgard Basters aus Niederalben kennen. Die beiden heiraten noch im Jahr 1951 und nehmen nach einem relativ kurzen Aufenthalt im „Balkan“ von Hoppstädten ihren festen Wohnsitz in Baumholder.

Karl-Heinz verdiente sein Geld weiter bei der US Army. Als ein Gerücht aufkam, dass die Angehörigen der US Labor Units im Koreakrieg eingesetzt werden könnten, kündigte er seine Stellung bei der Labor Service Einheit. Eine zunächst als sicher geglaubte Einstellung beim US Civilian Personnel Office (CPO) in Baumholder zerschlug sich. Aber der ihm gewogene Major Todt sorgte für eine Beschäftigung als Schreiner im Field Maintenance Shop, einer Einrichtung der US Army, die für sämtliche Reparaturen an ihrem beweglichem Vermögen zuständig war. Als sich Karl-Heinz Röder 1956 bei der Deutschen Bundeswehr um eine Anstellung als ziviler Mitarbeiter bewarb, erlebte er eine böse Überraschung: Es stellte sich heraus, dass er weder die deutsche, noch die österreichische und schon gar nicht die tschechoslowakische Staatsangehörigkeit besaß. In seinem Reisepass war lediglich mit Bleistift festgehalten worden: „Staatsangehörigkeit ungeklärt“. Dieser Eintrag fiel bei einer Erneuerung seines Reisepasses zum Glück einem Radiergummi zum Opfer.

Karl-Heinz Röder blieb Beschäftigter der US Army. Nach einer Erkrankung wurde er in den Innendienst versetzt und musste Bürotätigkeit ausüben. Er tat dies offensichtlich mit großem Erfolg, denn im Jahre 1960 wurde ihm die Selle als Betriebsleiter des Field Maintenance Shops übertragen, die er bis zum Ende seines Arbeitslebens innehatte. Für seine vorbildliche und verdienstvolle Arbeit im Field Maintenance Shop Baumholder wurde

Karl-Heinz Röder zweimal mit dem „Commander’s Award“ ausgezeichnet. Auf diese – wie er sagt – zweithöchste Auszeichnung der US Army für zivile Mitarbeiter, ist er besonders stolz.

Nach einer Borreliose-Erkrankung ging Karl-Heinz Röder 1990 in den wohlverdienten Ruhestand.

 

Fritz Licht

Geschrieben von Ingrid Schwerdtner am in Familiengeschichten

Meine Vorfahren

Geschichte und Geschichten aus dem Leben

der Familien Schaun, Grimm und Licht aus Baumholder

Unsere Familiengeschichte erzähle ich so, wie ich zu einem großen Teil aus noch erhaltenen schriftlichen Unterlagen, aus Schilderungen meines Vaters, oder auch von Erzählungen alter Nachbarn her kenne.

Der erste in Baumholder ansässig gewordene Grimm unserer Familie war der in Kusel geborene Johann Jakob Grimm (1714-1775). Er war der Sohn des dortigen Metzgermeisters Daniel Grimm.

Johann Jakob Grimm, Beruf Metzgermeister, heiratete 1736 Maria Patientia geb. Rausch (1711-1744), die Tochter des Gerichtsschultheißen Johann Bartholomäus Rausch (1662-1723) und seiner Frau Anna Katharina geb. Albert (1663-1738).

Es ist nicht festzustellen, wann und durch wen das damalige Haus der Familie in der Hauptstraße Nr. 16 erbaut wurde. In den Jahren 1759/60 war es im Besitz von Johann Jakob Grimm (Häuserbuch des Fleckens Baumholder von Gottlieb Wilhelm Spener Nr. 17). Das Grundstück hatte damals schon die gleiche Form und Abmessung wie heute. Auch der Fußpfad von der Hauptstraße, der Unnerscht Gaß, zum Brühlpfad, damals der Wächterpfad, bestand schon. Neben dem kleinen Pfad befand sich direkt an der Hauptstraße der gemeindeeigene Badbrunnen auf einem 4 x 4 m großen Grundstück. Das zweigeschossige Wohnhaus mit Scheune und Stall unter einem Dach stand, wie heute, entlang der Hauptstraße. Beides war jedoch wesentlich kleiner als die heutigen Gebäude. Beinahe die Hälfte des gesamten Grundstücks diente als Pflanzgarten, der neben dem Fußpfad in einer Breite von etwa vier Meter gegen die Hauptstraße stieß. Die Einfahrt zu dem recht kleinen Hof befand sich an der anderen Grundstückseite zwischen dem Scheunengiebel und dem Nachbargebäude.

Anfang des 19. Jahrhunderts gehörte das Anwesen für kurze Zeit dem Schwiegersohn von Johann Jakob Grimm Johann Friedrich Bier (geb. 1752) und dessen Ehefrau Katharina Elisabeth geb. Grimm (geb. 1765). Später ging es dann auf den Sohn Johann Jakob Grimm (geb. 1759) und dessen Ehefrau Maria Elisabeth geb. Conrad (geb. 1775) über. Sie war die Tochter des Kaufmannes, Zensors und Gerichtsschöffen und Johann Wilhelm Conrad (1727-1785) und dessen Ehefrau Maria Elisabeth geb. Jost (geb. 1737). Johann Wilhelm Conrad hatte den Beinamen „Salz-Wilhelm“, da er gegen eine Abgabe an die herzogliche Kasse, die Genehmigung zum Salz-Großhandel hatte.

Das Ehepaar Grimm/Conrad hatte zwei Söhne:

Johann Daniel Grimm (1797-1863), Metzger und Gastwirt, der 1821 in Berschweiler Karoline geb. Albert (1805-1862) heiratete. Dieses Ehepaar hatte acht überlebende Söhne und drei Töchter. Die Eheleute Grimm/Albert begründeten die weit verzweigten Familien Grimm in Berschweiler. Ihr Sohn Daniel Grimm (geb. 1825), Beruf Ackerer, heiratete 1847 nach Fohren-Linden die Katharina geb. Henn (1826-1887). Sie hatten sieben überlebende Söhne und eine Tochter. Das Ehepaar Grimm/Henn war der Begründer der Familien Grimm in Fohren-Linden.

Friedrich Christof Grimm (1807-1887), Metzger und Ackerer, war mit Louise geb. Hoffmann (1814-1874) aus Altenglan verheiratet. Dieses Ehepaar übernahm als nächste Generation Haus und Hof in der Hauptstraße Nr.16. Die Ehefrau geb. Hoffmann war sehr vermögend. Sie brachte u.a. Eigentumsanteile an den Kalksteinbrüchen von Friedelhausen mit in die Ehe.

Etwa um 1850 ließen die Eheleute Grimm/Hoffmann das Altgebäude in der Hauptstraße abbrechen und errichteten hier ein Wohn- und Ökonomiegebäude auf der ganzen Grundstücksbreite entlang der Straße. Die Einfahrt zum Hofgering befand sich zwischen dem Wohnhaus und dem daneben stehenden Stall- und Scheunengebäude. Diese Durchfahrt wurde später, vor 1863, überbaut. Dadurch entstanden über der Toreinfahrt zwei weitere Wohnräume. Das Dach des Wohnhauses war damals etwas niedriger als das Scheunendach. Der Großbrand im Jahre 1880 in Baumholder beschädigte den gesamten Dachstuhl. Bei dem Wiederaufbau erhöhte man die Wohnhausmauern um etwa einen Meter, sodass das Dach des Gesamtgebäudes nun gleich hoch war. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Brand auch die Decken des Obergeschosses beschädigt hatte. Diese wurden auch erneuert und eine neue Treppe im Treppenhaus eingebaut. Auf jeden Fall wurden im Jahre 1882 sieben Zimmertüren von dem Schreinermeister Karl Lang gefertigt und eingebaut. Der Rechnungsbetrag hierfür betrug 70,- Mark. Die heute noch erhaltene Haustür war bei dem Brand durch herabfallende brennende Dachteile nur im unteren Teil beschädigt worden und ist dort entsprechend erneuert worden. Dies erkennt man heute noch an der aus dickem Eichenholz gefertigten Tür.

Das Ehepaar Friedrich Christof und Louise Grimm hatte vier Kinder:

Henriette, sie war nach Kusel mit dem Gerbereibesitzer Emrich verheiratet.

Das Ehepaar Emrich/Grimm lebte mit ihren beiden Töchtern in Kusel in der heutigen Bahnhofstraße – linke Seite – in einem villenartigen komfortablen Haus, welches heute noch gut erhalten ist. Die beiden Töchter hatten noch eine lockere Verbindung zu ihrer Verwandtschaft in Baumholder, die jedoch mit den folgenden Generationen allmählich völlig versiegte.

Karoline (geb. 1841), verheiratet mit dem Arzt Dr. Josef Schubmehl.

Die Eheleute Schubmehl/Grimm erbauten in Baumholder das Wohnhaus und die dahinter stehenden landwirtschaftlichen Gebäude an der Kuselerstraße Nr. 6. Frau Schubmehl soll außerordentlich sparsam gewesen sein. Sie legte z. B. immer das frisch gebackene Brot an das nach Süden gelegene Speichergiebelfenster, damit es richtig austrocknet und es sich deshalb nicht so schnell wegschnitt. Später wurde Dr. Schubmehl zum Kreisarzt ernannt. Die Familie musste wegen der Residenzpflicht, in die Kreisstadt St. Wendel umziehen. Sie bauten dort am Schlossplatz ein heute noch gut erhaltenes großes Wohnhaus. Die Schubmehls hatten in St. Wendel das erste Privatauto. Ihre beiden Kinder sind später nach Wiesbaden verzogen.

Luise Elisabeth Caroline (1836-1857)

Die Tochter Luise Elisabeth Caroline hatte den Sohn Karl Grimm (geb. 1855). Ihre Eltern erlaubten der Tochter nicht, den Vater des Kindes, einen jungen Gerichtsbeamten, zu heiraten. Es ist anzunehmen, dass er ihnen nicht vermögend genug war. Das Kind wurde in die damals noch französische Stadt Metz zu einer Amme namens Lerong gebracht. Es wurde vertraglich vereinbart, dass sie gegen eine Vorauszahlung von 6.000 Franken, den Jungen groß zu ziehen habe. Er besuchte die französische Volksschule und erlernte in Metz das Bäckereihandwerk. Nach seiner Verheiratung machte er sich selbstständig und betrieb eine eigene Bäckerei. Sein Onkel Friedrich Grimm gab ihm in den Jahren 1880 und 1886 jeweils 3.000 Mark. Dieser Betrag wurde von ihm quittiert und dabei vermerkt, dass er damit sein ihm zustehendes Erbteil erhalten habe. Der „Grimme Karl“ war nach 1871, als Lothringen nach dem Krieg zum Deutschen Reich gehörte, für viele junge Baumholderer, die in Metz ihren Wehrdienst ableisteten, eine beliebte und gefragte Bäckerei. Sie bekamen hier die Backwaren zu Sonderpreisen und alles was abends nicht verkauft war, erhielten sie umsonst. Über eventuelle Nachkommen von Karl Grimm ist nichts bekannt. Jedenfalls besteht der Name „Grimm“ heute in Metz nicht mehr. Die Mutter von Karl Grimm verstarb 1857, nach einer sehr unglücklichen Ehe mit dem Handelsmann Philipp Robinson, in Oberstein.

Der Sohn Friedrich Karl Grimm (1840-1919) heiratete, Katharina geb. Schaun (1838-1897) aus Baumholder, aus dem Haus Hauptstraße Nr. 3

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gehörte das Anwesen Hauptstraße 3 dem Ackerer Heinrich Bier (geb. 1761) und dessen Ehefrau Elisabeth Katharina geb. Doll, die aus Erzweiler stammte. Deren Tochter Katharina Elisabeth Henriette (geb. 1785), heiratete Anfang des 19. Jahrhunderts den Land- und Gastwirt Peter Schaun (geb. 1778), der aus Offenbach am Glan stammte. Er war der Sohn des dortigen Bäckers Peter Schaun und Catharina geb. Eckel.

Der Sohn der Eheleute Schaun/Bier, Peter Schaun jr. (1806-1886), Beruf Land- und Gastwirt, blieb im Haus und heiratete Katharina geb. Jost (1813-1879), die aus dem Haus Oberstraße Nr. 12. stammte. Peter Schaun jr. führte die von seinem Vater gegründete Gastwirtschaft weiter. Er hatte den Spitznamen „Trumpel-Peter“, weil er Klavier spielen konnte. Auf seinem Klavier, das später im Hause Grimm/Licht stand, übte noch in seinen jungen Jahren der Baumholderer Maler Jakob Schug, als er sich zum Volksschullehrer ausbilden ließ. Peter Schaun wollte sich auch unternehmerisch betätigen. Er beabsichtigte in der gemeindeeigenen Lehmkaul eine Ziegelfabrik zu bauen. Dieser Plan wurde jedoch durch den damaligen Bürgermeister Stephan Heyl vereitelt. Als dieser später diese Ziegelfabrik selbst bauen wollte, verhinderte Peter Schaun dieses Vorhaben. Er hatte inzwischen im Stadtrat einen so großen Einfluss, dass ihm dies gelang. Wäre damals dieser Plan, ganz gleich von wem, verwirklicht worden, dann die Folgen des Großbrandes von 1880 sicher weniger schwer gewesen. Das Feuer verbreitete sich vor allem wegen der umherfliegenden brennenden Teile der noch vielen Strohdächer so schnell, dass der größte Teil der Häuser im Stadtkern niederbrannte bzw. beschädigt wurden.

Peter Schaun hatte in seiner zweiten Lebenshälfte ein derart großes Vermögen, vor allem an Landbesitz, dass er einige Zeit als einziger Bürger der Stadt nach dem damaligen Wahlrecht in der 1. Klasse wählen durfte.

Das einzige Kind der Eheleute, die Tochter Katharina heiratete 1860 den Ackerer und Metzger Friedrich Karl Grimm, gen. Fritz Grimm, aus dem Haus Hauptstraße 16.

Nach seiner Schulentlassung musste Fritz Grimm, wie sein Vater und Großvater, den Beruf des Metzgers erlernen. Seine Lehrzeit verbrachte er in Kusel bei dem Metzgermeister Philipp Schlosser. Dieser Meister Schlosser war in und um Kusel durch seinen Humor und auch durch manchen derben Spaß bekannt. So soll sich während der Lehrzeit von Fritz folgendes zugetragen haben: Der Meister und sein Lehrbub waren frühmorgens in Körborn zum Schlachtviehkauf unterwegs. Sie kamen dabei in ein Bauernhaus, in dem die ganze Familie noch im Stall mit den Fütterungsarbeiten beschäftigt war. Es war deshalb  niemand in der Küche. Das Butterfass war zum Butterstoßen gut halb mit Rahm gefüllt und die Katze lag schlaftrunken auf der Bank. Der Schlosser Philipp ergriff die Katze, steckte sie in das Butterfass und verschloss dies mit Stöpsel und Deckel. Das Tier ertrank im Rahm. Die beiden wünschten den Bauersleuten noch einen guten Morgen, gingen ihren Geschäften nach und kauften bei einem anderen Bauern ein Schlachtrind. Am frühen Nachmittag waren sie mit dem Rind wieder daheim in Kusel. Hier empfing sie die Frau Meisterin. Sie teilte dem Meister mit, dass die Bauersfrau aus Körborn mit einem großen Klumpen Butter, den er vormittags gekauft hätte, schon da gewesen sei. Sie habe die Butter gleich bezahlt. „Um Gottes Willen, wirf die Butter schnell weg. Ich will davon nichts sehen!“ Hier hatte Philipp seine „Meisterin“ gefunden, die ihm eine gehörige Lektion erteilt hatte, indem sie die tote Katze fein mit Butter bestrichen eilig zu den Schlossers nach Kusel brachte.

Fritz Grimm betrieb schon früh seine Handels- und Geldgeschäfte. Der vorzeitig von den Eltern ausgezahlte Teil seines finanziellen Erbes und auch der Rückhalt seiner Schwiegereltern erleichterten ihm sicher den Beginn. Die Familie Grimm jr. wohnte um 1880 im Elternhaus des Ehemannes. Beim Wiederaufbau des durch den Großbrand beschädigten Hauses, wollte der Sohn das Gebäude um ein Stockwerk erhöhen. Der Vater lehnte dies strikt ab. Daraufhin verließ der Sohn mit seiner Familie das Haus und zog zu den Schwiegereltern.

Nach dem Tod des Vaters im Jahre 1887 übernahmen Fritz und Katharina Grimm dann Haus und Hof in der Hauptstraße 16. Die Landwirtschaft ließ Fritz Grimm von seinem Dienstpersonal bewirtschaften. So engagierte er den aus der Gegend um Hannover stammende Ferdinand August Schinkel als Fuhrmann für seine Landwirtschaft. Er besorgte ihm, als dieser verheiratet war, eine Fuhrmannstelle bei der Post. Schinkel war der letzte Postillion von Baumholder und Ahnherr der heute weit verzweigten Familie Schinkel.

Nach dem Ende des Krieges 1870/71 fiel Elsass-Lothringen an das Deutsche Reich. Die Stadt Metz wurde sehr schnell zu einer deutschen Militärstadt ausgebaut. Ein ganzes Armeekorps wurde dort stationiert. Die Truppen hatten damals viele Pferde, die natürlich viel Futter und Stroh verbrauchten. Das Stroh wurde auch für die Strohsäcke in den Betten der Soldaten benötigt. Fritz Grimm lieferte nach Ausschreibung an das Militär in Metz für ein Jahr das notwendige Heu, das Stroh und den Hafer. Der Ertrag aus diesem Auftrag bildete die finanzielle Grundlage für sein gut gehendes Geld- und Handelsgeschäft. Allerdings gab es auch Rückschläge. So ging ein Geschäft mit dem Mühlenbetrieb Thress in Bad Kreuznach, nach einem Prozess, in die  Brüche. Dies hatte ihn sehr viel Geld gekostet.

Der Hang zum Schabernack tauchte bei Fritz Grimm immer wieder auf. Den damaligen Bürgermeister Fuchs konnte er aus irgendwelchen Gründen nicht leiden. Ihm wollte er einen handfesten Streich spielen. Das heutige Gartengelände hinter dem Haus Hauptstraße 10, dem Nachbarhaus des Stadthauses, gehörte Fritz Grimm. Er wollte auf dem hinteren Teil dieses Grundstückes ein dreigeschossiges Scheunengebäude errichten lassen, um damit dem Bürgermeister die schöne Aussicht aus seinem Dienstzimmer im Stadthaus aus zu verderben. Aber – es kam anders. Als die Zimmerleute das Dachgebälk aufgeschlagen hatten und bei Essen und Trinken im Haus Grimm saßen, fiel der gesamte Neubau in sich zusammen. Bürgermeister Fuchs hatte seine schöne Aussicht wieder. Grimm hat das Grundstück mit der Bauruine nie mehr betreten. Wer Bausteine oder Holz benötigte, konnte sich an „Grimme-Scheier“ bedienen. Dieser Streich ging wirklich total daneben.

Fritz Grimm engagierte sich auch am öffentlichen Leben. Er war Mitglied des Stadtrates und des Kreistages. Dem Landgericht in Saarbrücken gehörte er als Geschworener an. Als Stadtratsmitglied unterstützte er wichtige städtische Einrichtungen, wie etwa den Bau der Wasserleitung von der Winterhauch bis zur Stadt Baumholder. Der folgende Bau der öffentlichen Wasserversorgung der Stadt und die Einrichtung eines Elektrizitätswerkes am Weiher mit der Elektrifizierung der Stadt, fand seine Zustimmung und Unterstützung. Dagegen war er strikt gegen den Bau der Bahnverbindung Heimbach-Baumholder. Er erlebte die Fertigstellung nicht mehr. Seine ihm gehörenden Grundstücke zum Bahnbau veräußerte er nicht freiwillig, sie mussten ihm enteignet werden.

Im Jahre 1896 eröffnete Fritz Grimm in seinem Wohnhaus eine Weinwirtschaft. Das Lokal befand sich im Erdgeschoss im ersten Zimmer rechts vom Flur. Sicher war mit einer Weinwirtschaft zu dieser Zeit in Baumholder „nicht die Welt zu verdienen“, aber er hatte damit jeden Tag eine ihm genehme Gesellschaft in seinem Haus.

Fritz Grimm war sein Leben lang ein sehr selbstbewusster Mensch, hatte allerdings auch einige Marotten. So z. B. fastete er an Karfreitag bis es abends dunkel war. Er arbeitete an diesem Feiertag überhaupt nicht. Sogar die Türen öffnete er nicht mit der Hand, sondern mit dem Ellbogen. Er war ein Anhänger des „Baunscheidt’schen Heilverfahrens“. In seinem Nachlass befand sich ein Werk über dieses Naturheilverfahren. Im Jahr 1910 verstarb Friedrich Karl Grimm. Sein Grab war das erste, auf dem neu angelegten Friedhof in Baumholder. Es ist heute noch als Familiengrab Grimm/Licht erhalten.

Das Ehepaar Friedrich Karl Grimm (1840-1910) und Katharina geb. Schaun (1838-1897) hatte zwei Töchter:

Emilie (1871-1888)

Friederike Cäcilie (1876-1917), die 1898 den Metzger und Landwirt Karl Daniel Licht (1875-1937) heiratete.

Daniel Licht stammte aus der Metzgerei Licht, Haus Hauptstraße 12. Er war der Sohn der Eheleute Karl Daniel Licht (1840-1924) und Wilhelmine geb. Jäger (1849-1928).

Der „Ursprung“ der Familie Licht ist nicht genau festzustellen. Weder in Mambächel, wo Kaspar Licht 1755 geboren wurde, noch in Baumholder war vor dem Dreißigjährigen Krieg eine Familie namens Licht ansässig. Der Namensträger musste also Mitte des 17. Jahrhunderts nach dem schrecklichen Krieg zugezogen sein. Er kam in das damals fast menschleere und verwüstete Land und hat sich in Mambächel angesiedelt. Es gibt gewisse Hinweise, dass er aus der Schweiz in die entvölkerte Gegend  einwanderte.

Die Eheleute Licht / Jäger hatten sieben Kinder:

Wilhelmine (1873-1977)

Sie war verheiratet mit dem Lehrer Friedrich Diehl, der aus dem saarländischen Köllertal stammte. Diehl war über vierzig Jahre Volksschullehrer in Baumholder.

Friedrich (1878-1947)

Er erlernte den Metzgerberuf, heiratete Karoline geb. Faber (1890-1976) und übernahm den elterlichen Betrieb, bestehend aus Gastwirtschaft, Metzgerei und Landwirtschaft.

Lina (1884-1961)

Sie heiratete den Lehrer Jakob Groß. Die Eheleute wohnten in Saarbrücken. Jakob Groß nahm als Offizier am Ersten Weltkrieg teil. Er war u.a. in den verlustreichen Kämpfen an der Somme eingesetzt und erhielt das E.K. I. Klasse.

Rudolf (1884-?)

Er war Lehrer und unterrichtete und wohnte mit seiner Ehefrau Martha geb. Eckel in Herrensulzbach.

Wilhelm, gen. Willi (1887-1915)

Er besuchte nach der Volksschule die Höhere Handelsschule in in Calw. Den Kaufmannsberuf erlernte er in dem Eisen- und Haushaltswarengeschäft Cullmann u. Stroh in Kirn. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges wurde er zu einem Jägerregiment nach Schlettstadt im Elsass einberufen und in der russischen Ostfront eingesetzt. Er kam verwundet in russische Gefangenschaft. Ein später heimgekehrter deutscher Gefangener berichtete, dass er ihn in Samarkand auf einer Tragbahre gesehen und mit ihm gesprochen habe. Dies war das letzte Lebenszeichen von ihm.

 

Otto (1890-1942)

Er erlernte das Metzgerhandwerk und arbeitete im elterlichen und später im Betrieb des Bruders Fritz. Auch er wurde gleich nach Kriegsbeginn zu seiner militärischen Einheit, dem Infanterieregiment Nr. 13 in Köln, eingezogen. Das Regiment wurde an der lothringischen Front eingesetzt. Bei einem Sturmangriff auf die französischen Linien bei Dijeus erhielt Otto einen schweren Kopfstreifschuss. Nach langer Kranken- und Genesungszeit wurde er aus der Armee entlassen und arbeitete, wenn auch sehr eingeschränkt, wieder daheim. Die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges haben ihn sehr belastet. Im Sommer 1942 besuchte er abends seine Schwester. Morgens fanden ihn zwei Schulbuben, die zur Bahn gingen, tot in einem Seitenpfad des Brühlweges. Er hatte sich mit einem Schlachtermesser das Leben genommen.

Karl Daniel, gen. Daniel (1875-1937)

Daniel Licht erlernte, wie sein Vater den Metzgerberuf im elterlichen Betrieb.

Karl Daniel Licht heiratete die Tochter aus dem Nachbarhaus, Friederike Caecilie Grimm – gen. Frieda (1876-1917) .

Daniel Licht hat als fünfjähriger Bub noch den großen Brand in Baumholder im Jahr1880 erlebt. Er konnte sich daran erinnern, dass nachmittags um drei Uhr, die erst ein Jahr alte Stadtuhr noch einmal geschlagen hatte und dann brennend vom Dach des Stadthauses gestürzt sei. Die Glocke der Uhr sei auf der Straße vor dem Haus Licht zerborsten. Das Elternhaus von Daniel wurde außerordentlich stark beschädigt; es wie das Nachbarhaus, das Stadthauses. Das Wohnhaus war nicht mehr bewohnbar. Auch die Scheune und das angebaute Schlachthaus wurden durch den Brand zerstört. Die Familie kam notdürftig im Haus des Schwagers Schaun in der Hauptstraße Nr. 39 unter.

Zum Wiederaufbau der Wohn- und Wirtschaftsgebäude wurden u.a. Steine von den Mauern der Burg Lichtenberg, hier vor allem von dem westlichen Burgteil, der Altburg, abgebrochen. Dabei „ging“ auch der Wappenstein der Burg mit. Im Jahre 1926 entdeckte der damalige Landrat Dr. Hoevermann diesen Wappenstein an der hinteren Hauswand am Haus Licht. Er ließ den Stein ausbauen und an dem Badischen Amtshaus auf der Burg wieder einsetzen. Dort ist das Wappen heute noch zu sehen.

Die verheerende Wucht des Feuers wurde auf dieser Seite der Hauptstraße durch den großen Garten der Familie Licht, der zwischen den Häusern Licht und Grimm lag, gebrochen. Das damalige Gartengrundstück ist das heutige Hausgrundstück Hauptstraße 14.

Nach seiner Lehre ging Daniel mit seinem Freund, dem Schmiedegesellen Karl Bier, als Handwerksbursche auf die Walz. Die beiden wanderten zu Fuß über Frankfurt bis nach Schleusingen in Thüringen. Dort wohnte die Tante Philippine von Daniel Licht, die seit 1882 mit dem Gendarmen Thiele verheiratet war. Die Nachkommen von Philippine Thiele geb. Licht hielten verwandtschaftliche Verbindung mit dem Elternhaus von Daniel über den Zweiten Weltkrieg bis in die schlechten Jahre der DDR.  Die „Walz“ der beiden Handwerksburschen aus Baumholder war ein langer Fußmarsch. Er wurde nur unterbrochen, wenn sie in einem Metzgerei- oder Schmiedebetrieb Arbeit annahmen, oder auch nur ein Almosen vom Meister „abfiel“.  Der Daniel suchte bei diesem Marsch mit Vorliebe die Bäckerläden auf. Er aß für sein Leben gern Süßigkeiten In Thüringen erlernte Daniel Licht die Herstellung der weltberühmten Thüringer Bratwurst. Später wurde in „seinem Rezept“ zur Herstellung der Wurstmasse wurde kein Wasser, sondern Sekt verwendet. Seine Thüringer Bratwurst war wirklich eine Köstlichkeit.

Seine Militärdienstzeit leistete Daniel Licht von 1895 bis 1897 bei dem „2. Garde-Regiment zu Fuß“ in Berlin ab. Diese beiden Jahre waren für ihn ein unvergessliches Erlebnis, an das er sich sein Leben lang erinnerte und gerne davon erzählte. Dort traf er Rudolf Weierbacher aus Baumholder traf, der in Berlin ebenfalls seine Militärdienstzeit absolvierte. Weierbacher war ebenfalls Metzger. Er heiratete später nach Kusel und betrieb dort eine bekannte Metzgerei.

Viele heute noch erhaltene Briefe von Daniel Licht an seine Lieblingsschwester Lina lassen erkennen, wie wohl er sich während seiner Soldatenzeit in Berlin gefühlte. Er nahm an mehreren Paradeaufmärschen vor Kaiser Wilhelm II. auf dem Tempelhofer Feld teil. In der Neujahrsnacht 1896/897 stand er als Wachposten vor der Neuen Wache „Unter den Linden“. Von dem großen Kaisermanöver in Pommern erzählte er sein Leben lang. Allerdings sollte sich die ihm während seiner Militärzeit besonders bei der Kaiserlichen Garde anerzogene unbedingte Staatsgläubigkeit für ihn und seine Familie bitter auswirken.

Nach der zweijährigen Militärdienstzeit heiratete er Frieda Grimm.

Das Ehepaar hatte zwei Kinder:

Frieda (1899-1963), die später den Kreisbeamten Hans Koob heiratete

Friedrich – gen. Fritz (1900-1983)

Daniel Licht, der den landwirtschaftlichen Betrieb Grimm übernahm, widmete sich mit sehr viel Fleiß seiner damals über 100 Morgen (25 ha) großen Landwirtschaft.

Bei der späteren Erbauseinandersetzung im Hause Licht, wollten die beiden Schwestern – die Ehefrauen der Schullehrer Diehl und Groß – dass der Bruder Daniel den sogenannten „Lichte Garten“ übernehmen sollte. Dies war das Grundstück zwischen den Hausgrundstücken Licht und Grimm in der Hauptstraße. Der Bruder Daniel bestand jedoch darauf, dass das recht große Grundstück bei dem Elternhaus bleiben müsse. Um 1930 kam der Betrieb „Metzger Lichte“ in finanzielle Schwierigkeiten. Die Eheleute Licht verkauften das große Gartengrundstück an den Bäckermeister Fritz Theobald, der hier das heutige Haus Hauptstraße 14 erbaute.

Friedrich Grimm starb 1910 und seine Tochter und ihr Ehemann erbten sein ansehnliches Vermögen. Vier Jahre später jedoch brach die große Katastrophe, der Erste Weltkrieg, aus. Daniel Licht wurde zur Landwehr eingezogen. Die Landwehr war keine kämpfende Truppe, sondern wurde im Heimatdienst oder auch als Besatzungstruppe eingesetzt. Daniel Licht arbeitete als Soldat in seinem erlernten Beruf als Metzger für das Große Hauptquartier des Kaisers, das sich ab 1916 in Bad Kreuznach befand. Er hatte sein Quartier bei der Landwirts- und Winzerfamilie Kunz in Langenlonsheim.

Der landwirtschaftliche Betrieb in Baumholder wurde während der Kriegsjahre überwiegend von älteren Hilfsarbeitskräften und von dem 14jährigen Sohn Fritz bewirtschaftet, der gerade aus der Volksschule entlassen war. Leider hatte Daniel Licht und seine Familie große Sorgen mit der Ehefrau und Mutter, die an einer schweren Tuberkulose erkrankt war. Friederike Licht verstarb im Jahre 1917 und hinterließ ihre beiden unmündigen Kinder alleine auf dem Hof.

Die Vermögensverwaltung während der Kriegsjahre, erledigte der pensionierte Rechnungsrat Thönnes, der im Haus Licht Hauptstraße 16 wohnte. Wegen seiner dauernden Abwesenheit in dieser Zeit und der Unmündigkeit seiner beiden Kinder hatte ihm Daniel Licht Generalvollmacht erteilt, d. h. Thönnes konnte alle Rechtsgeschäfte für ihn erledigen. Dieser nutzte jede sich bietende Gelegenheit, um ansehnliche Teile des Vermögens Grimm/Licht zu veräußern und als Kriegsanleihe zu zeichnen. Nach dem Tod seiner Ehefrau musste Daniel Licht für seine beiden Kinder einen namhaften Betrag „mündelsicher“ bei der Kreissparkasse in St. Wendel auf Sparkonten festlegen. Diese beiden Konten durften 1918 auch als Staatsanleihe zur Kriegsführung gezeichnet werden, was der Vermögensverwalter dann auch tat. Der größte Teil des Vermögens der Familie war damit verloren.

Gegen Ende des Ersten Weltkrieges wurde der Sohn Fritz ebenfalls noch eingezogen und erhielt bei dem Artillerie-Regiment Nr.28 in Saarbrücken seine Ausbildung. Hier erlebte er das Kriegsende mit den ersten revolutionären Erscheinungen. Am Bahnhof traf er einen Jugendfreund Otto Bier mit roter Armbinde und Gewehr, der hier für eine sozialistische Gruppe Wache stand.

Der furchtbare Krieg war nun zu Ende. Der französischen Besatzung mussten angesehene deutsche Bürger als Geiseln gemeldet werden. Auch Daniel Licht wurde als Geisel benannt.

Sehr bald zeichnete sich nach Kriegsende der Verfall der durch die enormen Kriegsschulden belasteten deutschen Währung ab. Der Wert des angesparten Geldes sank immer mehr. Dies traf natürlich auch die Familie Licht. Als 1922 in der Bahnhofstraße das Haus Nr. 4 zum Preis von 36.000,- Reichsmark zum Kauf angeboten wurde, bedrängte der Sohn Fritz seinen Vater zum Kauf dieses Hauses, um so wenigstens einen kleinen Vermögensteil mit einer Immobilie zu retten. Der Vater weigerte sich. Er glaubte immer noch, dass der Staat seine Sparer nicht um ihr Vermögen bringen könne. Nach einem Jahr konnte man für diesen Preis keine Schachtel Streichholz mehr kaufen. In nur einem Fall konnte Daniel Licht durch einen Immobilienerwerb eine kleine Geldsumme über die Entwertung retten. Er finanzierte direkt nach dem Krieg dem Tagelöhnerehepaar Jakob und Katharina Weiß den Kauf des kleinen eingeschossigen Hauses in der Lückstraße Nr. 18. Da die Eheleute Weiß den finanziellen Verpflichtungen nicht nachkommen konnten zog Daniel Licht 1920 das Haus an. Er veräußerte es 1927, also gegen „neues Geld“, an die Eheleute Fritz und Katharina Denner. Heute gehört es dem Enkel Hans Heinrich Poppelreuther. Das ansehnliche Vermögen der Familie Grimm/Licht aber war fast völlig verloren, was zu einem großen Teil der Staatsgläubigkeit von Daniel Licht zugeschrieben werden kann. Er starb 1937 einen plötzlichen Herztod beim Dreschen neben der Dreschmaschine.

Im Jahre 1927 heiratete Friedrich Licht, gen. Fritz (1900-1983) die aus Mambächel stammende Luise geb. Schug (1905-1997).

Sie hatten zwei Kinder:

Friedrich Daniel – gen. Fritz (1927)

Gerda Lieselotte – gen. Liesel (1932)

Fritz Licht und seine Frau Luise, meine Eltern, übernahmen den elterlichen landwirtschaftlichen Betrieb in der Hauptstraße Nr. 16.

 

Überarbeitet von Ingrid Schwerdtner geb. Licht

Familie Henze

Geschrieben von Jürgen Henze am in Ehemalige und neue Bürger, Familienforschung, Familiengeschichten

Hans Henze wurde 1904 als zweiter von drei Söhnen des Finanzbeamten Otto Henze und seiner Ehefrau Anna, geborene Schwarzkopf, in Söllichau bei Jüterbog in Sachsen-Anhalt geboren. Aufgewachsen in Berlin-Neukölln absolvierte er nach seiner Schulzeit eine Kaufmannslehre und fand zunächst Beschäftigung in verschiedenen Berliner Geschäften, unter anderem in der Teppichbranche.

1936 heirateten er und die kaufmännische Angestellte Edith Lein aus Berlin-Schöneberg, mit der er drei Söhne, Jürgen (1937), Rainer (1940) und Hartmut (1943), hatte.

Wohnhaft in Berlin-Treptow, arbeitete Hans Henze zunächst bei der Deutschen Reichsbahn und später bei der Deutschen Arbeitsfront, ehe er 1943 zur Wehrmacht eingezogen wurde. Den Krieg verbrachte er überwiegend an der Ostfront, wo er gegen Ende des Krieges in russische Gefangenschaft geriet. Er konnte jedoch fliehen und zog zu einem Kriegskameraden im Kreis Diepholz in Niedersachsen, auf dessen Bauernhof er eine Zeit lang als Knecht Beschäftigung fand.

Edith Henze ließ sich wegen der zunehmenden Luftangriffe auf Berlin 1943 mit ihren Kindern nach Masuren in Ostpreußen evakuieren. Als die Russen 1944 immer näher an die deutsche Reichsgrenze heranrückten, wurde sie mit ihren Kindern ins Sudetenland weiter evakuiert Von dort flüchtete sie nach Kriegsende in einem wochenlangem Fußmarsch zurück nach Berlin. Ihre Wohnung im sowjetischen Sektor der Stadt hatten inzwischen zwei kommunistische Familien mitsamt Inventar übernommen. So bemühte sie sich um Ausreise zum Zweck der Familienzusammenführung in die Britische Zone nach Niedersachsen, was ihr 1946 genehmigt wurde.

Mangels ausreichender Beschäftigung begab sich Hans Henze 1952 von Niedersachsen nach Rheinland-Pfalz, wo er einige Jahre als Angestellter bei der US Army und anschließend bis zu seinem Ausscheiden aus dem Arbeitsleben auf dem Truppenübungsplatz Baumholder als Angestellter bei der Bundeswehr beschäftigt war.

Edith und Hans Henze sind 1991 beziehungsweise 1992 gestorben und haben ihre letzte Ruhe auf dem Friedhof von Baumholder gefunden.

Gästebuch

  • Jane Taubert / 30. Mai 2017:
    Dieser Eintrag kommt sehr spät, aber dafür umso herzlicher. Ich...
  • Walter Michael Scharf / 25. April 2017:
    It is with great pleasure that I recommend geschichtswerkstatt-baumholder.de. The...
  • Kühn / 21. Februar 2017:
    Die "Geschichtswerkstatt-Baumholder" ist vielfältig mit aussagekräftigen Informationen im Detail und...
  • Oliver Simon / 11. Februar 2017:
    Ein sehr interessanter und gelungener Internetauftritt! Hier werde ich zukünftig...
  • Kunz / 12. Januar 2017:
    Vielen Dank Herr Böhmer für Ihre Hilfe. Ich habe entlich...

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